In der Einzelausstellung präsentiert die Künstlerin erstmals eine Vier-Kanal-Videoinstallation mit dem von ihr geschaffenen Space Rider, der seit 2003 immer wieder in ihren Werken auftaucht. Der Zyklus bezieht die besonderen räumlichen Gegebenheiten im Schloss Wolfsburg ein.

„Ich liebe Science Fiction. Ich will Astronautin auf einem Raumpferd sein. Ich lese viele Sci-Fi-Bücher. In der Literatur ist Science Fiction anerkannt, aber in der bildenden Kunst gibt es Science Fiction noch nicht, außer in Comics. Ich versuche, sie durch meine Kunst als Gattung zu etablieren.“ So beschreibt die deutsch-amerikanische Künstlerin Ati Maier einen wichtigen Aspekt ihrer Arbeit.

Die komplexe Videoinstallation „SpaceRider Cycle“ ist ein raumgreifendes Gesamtkunstwerk, das die Betrachtenden in eine fantastische Welt entführt. Der Protagonist, die Figur des Space Rider - eine humanoide Erscheinung, deren Kopf unter einem großen runden Helm steckt - ist das Alter Ego der Künstlerin. Der Space Rider reitet auf einem Pferd mit ähnlicher Kopfbedeckung. Ati Maier ist eine exzellente Reiterin, und seit ihrer Jugend arbeitet sie mit Pferden. Mit der Figur des Space Riders verbindet sie auf verblüffende Weise die verschiedensten Aspekte ihres Lebens und ihrer künstlerischen Strategie. Ati Maiers Filme eröffnen neue Möglichkeitshorizonte. Es geht dabei nicht um Science Fiction oder ein persönliches Narrativ, sondern vielmehr um den allgemeinen gesellschaftlichen Diskurs und eine Anregung zur Selbstreflexion.

Ati Maiers Arbeitsansatz ist von einer mutigen Interdisziplinarität geprägt. Ihr Werk erstreckt sich nicht nur über die Medien Zeichnung, Malerei, Fotografie und Animation, sondern umfasst ebenso Video und Film. Die 1962 in München geborene Künstlerin studierte in New York und Wien, sie lebt und arbeitet heute in New York und Santa Fé.

Eine Ausstellung mit freundlicher Unterstützung des Lüneburgischen Landschaftsverbandes.

Die geplante Performance mit der Künstlerin soll im Herbst 2020 stattfinden.

Und hier gibt es weitere Infos zu den Filmen der Künstlerin auf ihrer Website:

www.atimaier.com

Die Installation beinhaltet folgende Filme:

1. “THE MAP IS NOT THE TERRITORY” (2013):

Die Künstlerin Ati Maier, in der Rolle des Space Riders, führt ihr Pferd durch die raue Landschaft zweier unbewohnter Planeten im Weltraum. Sie folgt einer Linie von Lichtern, die den Weg des ersten menschlichen Mondspaziergangs von 1969 markieren. Die Mission Apollo 11, insbesondere der erste Schritt Neil Armstrongs sowie das Errichten der US-Flagge auf dem Mond, hat dieses Video inspiriert. Es thematisiert die Erforschung und Suche einer neuen Heimat. Der Außerirdische ist symbolisch für interplanetares Reisen und Fremdheit zu verstehen, das Pferd repräsentiert eines der ältesten Transportmittel, die der Mensch kennt.

2. „THE PLACELESS PLACE“ (2016):

Der Space Rider durchquert eine unbewohnte, futuristische Landschaft, folgt dem East River und landet schließlich am Times Square in New York City. Umgeben von Menschenmengen und den ikonischen Werbebildschirmen endet die Reise des Space Riders vorerst an diesem Platz. In diesem nachdenklichen Moment greift Ati Maier eine Szene aus ihrem ersten Film auf und blendet sie auf einem der digitalen Monitore ein. Diese Selbstbezüglichkeit ist eine der Gleichzeitigkeiten, die Maier in ihren Zeichnungen immer wieder schafft: eine Hintertür, durch die der Space Rider wieder in eine verlassene, vorzivilisierte Umgebung zurückkehrt.

3. „PROPHECY OF THE ENCOUNTER“ (2019):

Dieser Film ist inspiriert von einer Prophezeiung der Hopi-Indianer über das Erscheinen zweier Sterne (einem blauen und einem roten): Der blaue Stern, welcher dem roten folgt, kündigt den Beginn einer neuen Weltordnung an. Die bisherige Art des (Da)Seins wird sich bei allen Kreaturen ändern. Nur jene, die im Einklang mit der Natur gelebt haben werden überleben. Zu ihnen gehören Mitglieder des Stammes der Lakota. Die Lakota glauben, dass sie von den Plejaden kommen (eine sieben Sterne umfassende Konstellation im Weltraum) und der Space Rider, der ihr intergalak-tischer Vorfahr ist, auf die Erde zurückkehrt, um die Prophezeiung zu erfüllen. Mit "The Encounter" erfüllt Ati Maiers Space Rider-Charakter endlich das Versprechen, das in den ersten beiden filmischen Beiträgen gegeben wurde, indem sie sich den katastrophalen Auswirkungen des europäischen Expansionismus auf die indigenen Kulturen stellt. Sie, als außerirdisch anmutender Eindringling auf amerikanischem Boden, hat die stille Hoffnung, dass der Schmerz, den wir anderen zufügen und selbst (als Menschen) erleiden, letztlich ein Tor zur Transzendenz ist.

4. "THE NEAREST FARAWAY PLACE" (2020):

In diesem Film folgt der Space Rider dem Verlauf der ehemaligen Berliner Mauer bis zum Teufelsberg im Berliner Ortsteil Grunewald. Der Teufelsberg ist ein mit Trümmerschutt künstlich angelegter Hügel. Auf diesem Areal befand sich in den 1940er Jahren der Rohbau der Wehrtechnischen Fakultät, die im Rahmen des nationalsozialistischen Projektes der Welthauptstadt Germania gebaut werden sollte. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage gesprengt, teilweise abgerissen und als Baumaterial genutzt. In der Zeit des Kalten Krieges nutzte die US-Armee den Berg als Standort für eine Abhöranlage.

Ati Maier, die gebürtig aus München stammt, lebte von 1987 bis 1998 in Berlin und hat den Fall der Berliner Mauer miterlebt. Diese Lebenserfahrung hat ihr Bewusstsein tief geprägt. Und so nimmt Maier den Space Rider für ihren letzten Film mit zurück in ihre Heimat. Sie kommt nach Deutschland, wo sie (und ihr Pferd) die Linie der ehemaligen Berliner Mauer als eine Art Protest gegen den wieder ansteigenden Nationalismus zurücklegen.

Termine

  • 08. Mai 2020 17.00 Uhr
    Verlegung der Performance “RETRACING THE FIRST MOONWALK” auf Herbst 2020

    Die geplante Performance wird voraussichtlich auf den Herbst 2020 verschoben.

    Im Park von Schloss Wolfsburg wird die Künstlerin Ati Maier im Rahmen der Ausstellung „SpaceRider Cycle“ eine Performance aufführen. Sie folgt dabei genau der Linie, den Pfaden, die die Astronauten Armstrong und Baldwin während des ersten Ausfluges auf dem Mond vor 50 Jahren zurücklegten. „Ich nehme diese spezielle Linie und lege sie woanders hin. Wenn ich diesen Weg auf einem anderen Gebiet zurückverfolge, wird er zu einer Karte der Erforschung theoretischer, imaginärer Räume.“ Ati Maiers performative Wiederholung des Mondspaziergangs als Space Rider hier auf der Erde ruft nicht nur das historische Ereignis in Erinnerung, sondern verweist auf die Verletzlichkeit und Schutzbedürftigkeit unseres Planeten. Die Reise zum Mond als eine Entdeckung der Erde.
    Zum Abschluss ihrer Performance setzt Ati Maier die Space Rider Fahne.

    Und hier geht es zu einem Video der Performance in Jackson Hole, Wyoming, USA:

    http://atimaier.com/spacerider_performance.html

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