Silvia Bächli wurde 1956 in Baden in der Schweiz geboren und lebt heute in Paris und Basel. Sie ist Professorin an der Akademie in Karlsruhe. Die Zeichnungen von Silvia Bächli wirken wie Notate, manchmal einsilbig und lapidar. Der Duktus des Stiftes oder Pinsels ist meist sichtbar, jedoch nicht um seiner selbst willen. Aus einer unangestrengten Bewegung der Hand heraus entstehen Formen, die keiner zuvor erdachten Komposition folgen. Das Gestische, das manchmal anklingt, ist frei von Expressivität. Farbe ist in den Zeichnungen Silvia Bächlis reine Tonalität und gerichtete Bewegung. "In meinen Zeichnungen geht es selten um symbolische Bedeutungen. Es ist das, was dargestellt ist. Kurze Empfindungsmomente, Augenblicke, ein etwas längeres Verweilen auf etwas, was alle kennen, aber dem wir nicht so viel Beachtung schenken." (Silvia Bächli) Da sich Silvia Bächlis Arbeit der raschen Verfügbarkeit entzieht, benötigt der Betrachter Zeit, um einen Zugang zu dem Bildwerkgefüge zu finden, um es zu erfassen und zu erfahren. Silvia Bächli bietet eine Gelegenheit des Innehaltens, eine aktive Pause. Die Bilder ziehen in Bann und regen zur Auseinandersetzung an. Jedes Blatt geht eine Konstellation ein, die als Sequenz wie als ein offenes Feld gesehen werden kann. Sie begegnen einer Kultur, die manisch Daten sammelt, um im Bild zu sein. Datum - das Gegebene - steht immer auch im Widerspruch zum Möglichen. Indem diese Zeichnungen sich vergessen lassen, sind sie einer Welt verfügbarer Informationen, sind sie der sicheren Informiertheit entzogen. Mit jedem Blatt wächst das Potential des nicht Erinnerbaren, durch welches die Wahrnehmung zwischen einem Lidschlag und dem nächsten zum Ereignis wird. Jede Zeichnung ist die Möglichkeit zu einem augenblicklich schon fehlenden Bild.