Kunstpreis der Stadt Wolfsburg "Junge Stadt sieht Junge Kunst" 2002

Für die mit dem Kunstpreis verbundene Ausstellung konzipierte Olaf Nicolai eine raumgreifende Installation: "Die Flamme der Revolution, liegend (in Wolfsburg)". Mit der Anspielung auf eine Skulptur, die für den Außenraum geschaffen wurde und nun dauerhaft in der Städtischen Galerie Wolfsburg präsentiert wird, formuliert Nicolai in einer für seine Arbeiten charakteristischen Weise den Zusammenhang zwischen formalen Prozeduren und der Konstitution von Bedeutungen.

Das von Siegbert Fliegel entworfene Monument "Flamme der Revolution" war 1967 am Hansering in Halle zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution errichtet worden. Da es sich um ein von der politischen Führung in Auftrag gegebenes Großprojekt handelte, wurden Entwurf und Ausführung inhaltlich entsprechend reglementiert. Fliegels Skulptur orientierte sich an Vorbildern wie Walter Gropius` Märzgefallenendenkmal (Weimar, 1923) oder Tatlins Modell eines Denkmals der Dritten Internationale (1919) - ein gegenläufiges Spiralskelett mit eingelassenen Raumkörpern-, die in ihrer abstrakten Formensprache eine Verbindung von technischem und gesellschaftlichem Fortschritt postulierten. In Halle entstand eine monumentale, eindrucksvoll dynamische Betonplastik von 24 Meter Höhe, die sich aus 10 Betonteilen zusammensetzt. Obwohl Fliegel eine farbige Fassung ablehnte und "eine saubere Figur, eine reine weiße Form" für seinen Entwurf favorisierte, wurde auf Anweisung der Auftraggeber die Plastik in den "Farben des Feuers" gestaltend gefasst. Bei einer späteren Erneuerung der Fassung entschied man sich dann für ein einheitliches Rot. Heute ist die Fassung mit Graffitis verschiedenster Motive übersät, so dass das Monument stark angegriffen erscheint. Im derzeitigen Stadtbild führt das Kunstwerk eher ein Schattendasein, da auch die Platzgestaltung seit Mitte der neunziger Jahre wesentliche Veränderungen erfahren hat. War der Aufstellungsort vor der Wende repräsentativer Ausgangspunkt für Demonstrationen und Paraden gewesen, so dient er heute als Zugang für ein Parkhaus.

Die Installation in Wolfsburg überführt das Hallenser Monument in den Ausstellungsraum und wandelt es dabei in eine Skulptur, die auf den ersten Blick durch ihre Form fasziniert. Da nicht nur der Ort, sondern auch die Art der Aufstellung der "Flamme der Revolution" - von aufrecht stehend zu liegend - verändert wird, ergeben sich neue Zuschreibungen und Optionen: "reine" abstrakte Plastik, Element für einen Spielplatz und / oder Reformulierung eines memento mori.

Durch die Fenster des Ausstellungsraumes sind das VW-Werk, Wohnsiedlungen und die 2001 fertiggestellte Autostadt mit Markenpavillons, Restaurants, Kultur- und Bildungseinrichtungen und einem Hotel zu sehen. Und für die Autostadt hat Olaf Nicolai ebenfalls eine besondere Arbeit kreiert: Im "Premium Clubhouse" steht seit 2008 ein komplett verspiegelter Bugatti Veyron 16.4 zwischen Spiegelwänden.

"Die Produktion von Kultur ist die letzte Stufe des Kapitalismus, dessen wesentliche Triebkraft es von jeher war, immer mehr menschliche Aktivitäten für das Wirtschaftsleben zu vereinnahmen." (Jeremy Rifkin)

Der Künstler wurde vom Kurator Florian Ebner als einer von fünf Künstlerinnen und Künstlern für den Deutschen Pavillon zur Biennale in Venedig 2015 ausgewählt.

Die Installation wurde umfangreich restauriert und ist ab 21. Oktober 2017 dem Publikum wieder zugänglich.

Termine

  • 18. November 2017 19.00 Uhr
    Performance mit Olaf Nicolai

    Gemeinsam mit dem Musiker Artiom Shishkov und zum Stück IN THE WOODS THERE IS A BIRD... wird Olaf Nicolai zur Wiedereröffnung seiner raumgreifenden Installation eine Performance aufführen.

    Titel: IN THE WOODS THERE IS A BIRD… Länge: 31 min Die Performance wird von dem Musiker: Artiom Shishkov begleitet.

    "Im Wald ist ein Vogel, sein Lied hemmt deinen Schritt und macht dich erröten. […] Endlich ist da, wenn man Hunger und Durst hat, einer, der dich davonjagt.“ Arthur Rimbaud

    Das Klangkunstwerk IN THE WOODS THERE IS A BIRD... basiert auf archivierten Soundmaterialien von Radioberichten und nutzt das Radio als Ausgangspunkt anstatt als bloßes Übermittlungsmedium. Ziel ist es, die Beziehung von Klang und Inhalt zu erforschen. Als Quellen dienen hierbei das Hintergrundrauschen von Demonstrationen, Randalen, Kundgebungen, die für das Radio aufgenommen wurden und die Olaf Nicolai nutzt, um einen Soundtrack aus diesen verschiedenartigen „Stimmungen“ zu generieren. Das Stück ist konzipiert für weitere Interpretationen durch unterschiedliche Kollaborateure, sowohl in Form von konkreten Soundobjekten, Rundfunkbeiträgen als auch räumlichen Inszenierungen, Live-Performances bis hin zu installativen Arbeiten. Teil dieses Projektes ist ein Künstlerbuch, welches einen visuellem Essay und die Quellen des Soundtracks in einem Bild Register der Orte und Daten vereint.

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