Anlässlich der Weltmeisterschaft der Vierspänner vom 23. bis 27. August 2000 zeigt die Städtische Galerie Wolfsburg Werke des italienischen Bildhauers Marino Marini (1901-1980), dessen Hauptthema die Darstellung von Reiter und Pferd war. Den internationalen Ruhm Marinis, einer der bedeutendsten italienischen Künstler unserer Zeit, haben vor allem bildhauerische Arbeiten begründet. Von gleicher Wichtigkeit und ähnlicher Ausdruckskraft erweisen sich aber auch seine Gemälde, Zeichnungen und druckgraphischen Arbeiten. Sie ergänzen sein plastisches Werk auf eindrucksvolle Weise und führen in immer neuen Variationen vier Themen vor Augen. Der Zirkuswelt hat sich der Künstler ebenso zugewandt wie dem Bildnis und der weiblichen Gestalt; vor allem aber haben ihn seine Reiter, Krieger und Pferde berühmt gemacht. Diesem Thema gilt die Ausstellung. Die Cavalieri Marinis stehen in einer langen europäischen Tradition, doch unterscheiden sie sich inhaltlich von ihren Vorläufern. Sie sind nicht mehr als Symbole der Macht aufzufassen, stellen also keine heroischen Triumphmomente mehr dar. Der Künstler sieht in ihnen vielmehr Sinnbilder für die Gefährdung des menschlichen Lebens. In den frühen Reiterdarstellungen Marinis beherrscht der Mensch noch das Tier, er ist von ihm deutlich als bewusst Agierender geschieden. In der Folgezeit verschmilzt der Reiter jedoch immer mehr mit dem Pferd und wird dann zunehmend ohnmächtiger, wandelt sich vom Helden zum wehrlosen Opfer. "Meine Reiterstatuen sind Symbole der Besorgnis, die mich bei der Betrachtung meines Zeitalters ergreift. Meine Pferde werden nach und nach immer unruhiger und die Reiter immer unfähiger, sie zu meistern. Die Katastrophe, der Mann und Tier erliegen, gleicht jener, welche Pompeji und Sodom vernichtete" (Marini).