Karl Schaper wurde vor allem bekannt durch seine überdimensionalen, holzgeschnitzten Briefe und die erdachte Korrespondenz mit toten und lebenden Persönlichkeiten aus Kultur, Politik oder Märchen. Obwohl Schapers Kunst überwiegend gesellschaftskritisch und engagiert ist, wäre es ungerecht, ihn als politischen Künstler zu bezeichnen, der die Ereignisse lediglich kolportiert. In zahlreichen seiner Arbeiten verbinden sich aktuelle Geschehnisse mit Themen aus Geschichte und Mythologie, so daß der Werkgedanke ins Universelle ausgeweitet wird. Schaper ist ein nachdenklicher, mahnender Chronist, der die Dinge ins Bild setzt und somit für die Nachwelt dokumentiert. Zum 80. Geburtstag von Karl Schaper präsentiert die Städtische Galerie Wolfsburg eine retrospektive Ausstellung des niedersächsischen Künstlers. Begleitend dazu ist ein Katalog erschienen. "(...)Ein Motiv im Werk von Karl Schaper darf natürlich keineswegs unerwähnt bleiben: die Rübe. Häufig taucht die Erdfrucht als bildhafte Zeichen in seinen Arbeiten auf, einmal ist sie der Bildgegenstand selber, ein anderes Mal geht sie Metamorphosen ein, indem sie sich in Bäume oder Soldaten verwandelt, ein weiteres Mal verbirgt sie sich als gemaltes Pappobjekt einem Brief an den Landwirt Heinrich Luens. Die Rübe - das ist ein im puren Zustand nicht besonders wohlschmeckendes Gewächs, sie ist auch nicht besonders schön, sie dient in der Regel als Viehfutter und zur Zuckergewinnung; sie wächst vornehmlich in den nicht-arkadischen Regionen, dort, wo es flach, rauh und feucht ist. In einer solchen Gegend liegt Apelnstedt, weite Rübenfelder prägen den Charakter der Gegend verleihen ihr einen herben Reiz. Der Rübe die künstlerischen Weihen verliehen zu haben, darin liegt unverkennbar das Verdienst Karl Schapers. Denn bislang tauchte sie in keinem Lexikon der Pflanzensymbolik auf, für die Ikonographien war sie noch nie von Interesse. In Schapers Kunst wird sie in den Rang eines Symbols erhoben, sie wird zum Synonym für das Ländliche schlechthin, für das Derbe, das Schlichte, das Provinzielle. Wenn der Künstler das unscheinbare Agrarprodukt solchermaßen überhöht, so geschieht dies natürlich mit einem leisen Augenzwinkern und einem gehörigen Maß an Selbstironie. Das Rübensymbol steht für die oftmals humorvolle Sicht des Apelnstedter Chronisten, dem nichts auch jenseits der Rübenäcker entgeht. Die wenig grazile Rübengestalt korrespondiert vortrefflich mit den auf den ersten Blick naiv anmutenden hölzernen Briefen und den groben, mit großen plakativen Lettern übermalten Posttextilien; gleichzeitig tritt sie in einen Spannung erzeugenden Kontrast zu den hintersinnigen, tiefgründigen und vieldeutigen Inhalten seiner Arbeiten. Und das ist wohl die magische Formel des Künstlers Karl Schaper, der es auf brillante Weise versteht, Ideen und Geschehnisse aus Geschichte, Politik und Kultur mit oftmals trivialen Dingendes Alltags in Verbindung und in Einklang zu bringen - verschlüsselt, aber dennoch verständlich und anschaulich. So wie James Joyce in seinem "Ulysses" das Universum in einer Nußschale zusammenfassen wollte ("put allspace into a nutshell"), so zentriert Karl Schaper die Weltgeschichte im Apelnstedter Rübenland, dessen Bürger wir alle sind.(...)" Richard W. Gassen Auszug aus dem Katalog Karl Schaper, Objekte und Bilder (Ausstellung des Deutschen Postmuseums, Frankfurt a.M. 1992)

Presse

Detaillierte Informationen zu der Ausstellung stehen Ihnen im Pressebereich auf dieser Seite zur Verfügung. Sollten Sie Fragen zu dieser Ausstellung haben, helfen wir Ihnen gerne weiter.
Telefon: +49.5361.281017

Presse

Zu dieser Ausstellung gibt es hier für Medienvertreter/innen die gesammelten Presseinformationen zum Download.
Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.
– Download (Dokument: , 0kb)