The Conditions of Being Art (oder der Amateur)

Dritte Fassung des Ausstellungszyklus "DEINE KUNST" von Michael Müller 19. Oktober 2019 bis 23. Februar 2020

Zum 45-jährigen Jubiläum der Städtischen Galerie Wolfsburg, die am 20. Oktober 1974 gegründet wurde, zeigt sie eine ungewöhnliche, mehrteilige Neupräsentation ihrer Sammlung. Der in Berlin lebende Künstler Michael Müller (*1970) wurde eingeladen, eine persönliche Auswahl aus den Beständen zu treffen und die gewählten Werke zwei Jahre lang im Westflügel des Schlosses für das Publikum zu inszenieren. Michael Müller hat sich entschlossen, nicht nur eine Ausstellung zu zeigen, sondern die Sammlung in mehreren aufeinanderfolgenden Fassungen und wechselnden Kontexten zu präsentieren, die verschiedene formale wie inhaltliche Schwerpunkte setzen. Die einzelnen Fassungen sind bisweilen exzentrisch und äußerst „werkhaft“ kuratiert. Sogar die Ausstellungsräume werden von Michael Müller und seinem Team nach und nach bis ins kleinste Detail verändert.

Der Eingangsbereich wird u.a. mit einem „Museumsshop“ bestückt, der im Laufe der Serie 500 (!) Bücher beherbergen soll, die eigens für die Ausstellung neu produziert werden. Die Wände der Räume sind mit grauem Tuch bespannt; die Räume selbst bleiben seltsam leer. Ab der zweiten Fassung hallt ein Echolot im Treppenhaus, einsam, wie auf der Suche nach einem Sinn. (Ein Echolot dient der Navigation auf See und der Vermessung der Tiefe des Meers. Schallimpulse werden ausgesendet, reflektiert und zu ihrem Ausgangspunkt zurückgeworfen.) Die Eröffnungsfassung der Sammlungspräsentation sollte zudem mit einem Schallschutz-kopfhörer durchschritten werden, der am Eingang ausgeliehen werden konnte. Zu betrachten waren so stille Möglichkeitsräume, Umgrenzungen, Rahmen, Bühnen.

Und ab der zweiten Fassung wird die Soundinstallation "Wer spricht?" (Die Stimmen) im Silberkeller präsentiert.Die Audio-Installation basiert auf einem Manuskript aus 12 als innerer Dialog angelegten Kapiteln und wurde in Deutsch und Englisch von einer Schauspielerin als Hörspiel eingesprochen. Verteilt auf 12 Podeste, wandert die Stimme durch den Raum.

Ebenfalls in der zweiten Fassung waren kleine Schilder angebracht, die Informationen zu einzelnen Werken enthielten: Name, Titel, Jahr, Maße, Materialien etc. waren nüchtern aufgelistet und in vielen Fällen um eine Nummer ergänzt, die dem Werk im begleitenden Audioguide gegeben wurde. Und der Audioguide stand im Zentrum der stark reduzierten Präsentation. Denn die Arbeiten, die er begleiten soll, fehlten. Die Werke wurden nicht gezeigt!

So recht „beim Alten“ bleibt letztlich wenig. Es stehen zahllose Fragen im Raum. Steckt die Sammlung in einer „Krise“? Man darf gespannt sein, was alles noch kommt. Wann wird ein Ausstellungskontext zum Kunstwerk? Was wird gezeigt, wenn fast nichts gezeigt wird? Kurz: Fast alles wird auseinandergenommen. Neu zusammengesetzt wird es später.

Michael Müller befasst sich u.a. mit dem Problem der Autorschaft in der Kunst, exemplarisch in seiner Einzelausstellung „Wer spricht?“ (KW Berlin, 2015/16), deren titelgebende Frage auch in Wolfsburg gültig bleibt. Wer spricht in einer Ausstellung? Sind es die Werke selbst, die sprechen? Spricht der Kurator durch die Werke hindurch? Spricht ein Chor der beteiligten Künstler? („Und jetzt alle!“) Ein weiterer Schwerpunkt von Müllers vielfältiger Praxis liegt auf der experimentellen De- und Rekonstruktion der klassischen Ausstellungsformate (Einzelausstellung, kuratierte Gruppenausstellung, Ausstellungszyklus). Exemplarisch hierfür sind insbesondere seine große Einzelausstellung „Skits – 13 Ausstellungen in 9 Räumen“ in der Staatl. Kunsthalle Baden-Baden (2016/17) sowie sein langjähriger Zyklus „18 Ausstellungen“ in der Galerie Thomas Schulte, Berlin (2013-17). Die formale Bandbreite der „18 Ausstellungen“ erstreckte sich von stark reduzierten, konzeptuellen Präsentationen über kleine Gruppen- oder Quasi-Gruppenausstellungen bis zu übervollen Ausstellungs-räumen und aufwändigen, mehrstündigen Performances. Seine jüngste Einzelausstellung „An Exhibition as a Copy“ fand im Frühjahr 2018 in Hong Kong statt. Zum Kunstpreis der Böttcherstraße 2018 zeigte er „Das Entkleiden der Macht“ in der Kunsthalle Bremen. Von 2015 bis 2018 lehrte Müller als Professor an der Universität der Künste Berlin (UdK). Er ist Mitbegründer der KUNSTSAELE in Berlin-Schöneberg und kuratiert dort regelmäßig Ausstellungen.

Und hier geht es zum Künstlerprojekt und der Website "DEINE KUNST": www.deinekunst.art

Termine

  • 06. Februar 2019 11.00 Uhr
    Pressetermin erste Fassung
  • 08. Februar 2019 18.00 Uhr
    Eröffnung der ersten Fassung:

    DIE KRISE DER STÄDTISCHEN GALERIE WOLFSBURG:
    Lösung oder Auflösung / DER LIQUIDATOR

    Die Städtische Galerie Wolfsburg pflegt einen aktiven Dialog mit Künstler*innen. Für die Neupräsentation der Sammlung wurde daher der in Berlin lebende Künstler Michael Müller eingeladen, sich mit der Sammlung auseinanderzusetzen und eine persönliche Auswahl aus dem Bestand zu treffen. Im Westflügel von Schloss Wolfsburg konzipierte er eine spannungsreiche Installation, die den Erwartungshaltungen entgegenläuft. Seh- und Denkgewohnheiten werden herausgefordert. Über einen Zeitraum von zwei Jahren soll in mehreren überraschenden Fassungen die Sammlung in neue Zusammenhänge gestellt werden.

    Die erste Fassung ist bis zum 7. April 2019 zu sehen.

  • 17. Mai 2019 12.00 Uhr
    Pressetermin zweite Fassung
  • 18. Mai 2019 19.00 Uhr
    Eröffnung der zweiten Fassung:

    The Art(ist) is Present / DER TOD DES AUTORS WIRD NICHT ZUGELASSEN

    Wie bereits die Eröffnungsfassung des Zyklus von Anfang Februar bis Anfang April, bleibt auch die zweite Ausstellung eigentümlich leer. An den Wänden im Westflügel des Schlosses sind kleine Titelschilder angebracht, die Informationen zu einzelnen Werken enthalten (pflichtschuldig, so wie immer). Name, Titel, Jahr, Maße, Materialien etc. sind nüchtern aufgelistet und in vielen Fällen um eine Nummer ergänzt, die dem Werk im begleitenden Audioguide gegeben wurde. Der Audioguide steht im Zentrum der stark reduzierten Präsentation. Warum? Weil die Arbeiten, die er begleiten soll, fehlen. Die Werke werden nicht gezeigt. Die Vorstellungskraft der Besucher*innen ist gefragt, die Ausstellung entsteht im Kopf. Ein wunderbares Experiment.

    Besprochen werden Werke u.a. von Art & Language, Francis Bacon, Franz Beckmann, Angela Bulloch, Walter Dahn, Alberto Giacometti, Asger Jorn, Ilya Kabakov, KOAK, Vlado Martek, Ludwig Meidner, Blinky Palermo, A. R. Penck, Arnulf Rainer, Daniel Spoerri, Elaine Sturtevant und Timm Ulrichs.

    Die zweite Fassung ist bis zum 6. Oktober 2019 zu hören.

  • 17. Oktober 2019 11.00 Uhr
    Presstermin dritte Fassung
  • 19. Oktober 2019 19.00 Uhr
    Eröffnung der dritten Fassung:

    The Conditions of Being Art (oder der Amateur)

    Laufzeit vom 19. Oktober 2019 bis 23. Februar 2020.

    Die Städtische Galerie Wolfsburg wurde am 20. Oktober 1974 eröffnet. Aus Anlass des 45-jährigen Jubiläums wurde der in Berlin lebende Künstler Michael Müller eingeladen, eine experimentelle Neupräsentation der Sammlung zu kuratieren. Der Künstler zeigt einen Ausstellungszyklus, der sich über den Zeitraum von zwei Jahren erstreckt und die Sammlung in mehreren aufeinanderfolgenden Fassungen vorstellt.

    Zum Jubiläum gratulieren:

    Susanne Pfleger, Direktorin Städtische Galerie Wolfsburg

    Ingolf Viereck, Bürgermeister der Stadt Wolfsburg

    Dennis Weilmann, Dezernent für Wirtschaft, Digitales und Kultur

    Zum Jubiläum der Städtischen Galerie Wolfsburg wird die dritte Fassung des ungewöhnlichen Ausstellungszyklus „DEINE KUNST“ eröffnet und der Künstlerkurator Michael Müller nimmt ausgewählte Werke aus den Beständen der hauseigenen Sammlung zum Anlass, mit den Bedingungen und Möglichkeiten des Ausstellens zu experimentieren, einzelne Parameter zu isolieren, zu untersuchen und zu variieren. Wie werden Kunstwerke präsentiert? Wie beeinflussen der Raum und das Umfeld die Werke? Gibt es ein „Gesetz der guten Nachbarschaft“ (Warburg) oder sind alle Werke „der Todfeind“ aller anderen (Adorno)? „The Conditions of Being Art (oder der Amateur)“ stellt damit – wie der Ausstellungszyklus im Ganzen – die Frage nach dem ebenso komplizierten wie faszinierenden Zusammenhang der Werke untereinander sowie nach dem Verhältnis von Werk und Künstler, Künstler und Kurator, Kurator und Publikum, die sich in vielfältiger Form in den Räumen der Ausstellung begegnen. Den Künstler repräsentieren u.a. die Signatur und das Selbstportrait, also Mittel der Authentifizierung, die unterschiedlicher kaum sein könnten. In den Fokus rückt demgegenüber eine selten beachtete Form der Grenzziehung: der Rahmen, der die Werke umgibt und die Autorschaft beschränkt. Wo hört das Werk auf? Wo fängt der Rahmen an? Was passiert, wenn der Rahmen zum Werk wird? Die besondere Bedeutung der Nachbarschaft für die Wirkung der einzelnen Arbeiten (ihr Mit-, Neben- und Gegeneinander auf der Wand oder im Raum) bildet den letzten großen Schwerpunkt, der in der Ausstellung untersucht wird und zeigt, wie die Werke einander beeinflussen, ja ineinander diffundieren können. Präsentiert werden jene Werke, die in der zweiten Fassung des Zyklus in Form eines Audioguides zur Sprache kamen, also nur zu hören und nicht zu sehen waren. Sie werden (so viel sei verraten) auch diesmal nicht störungsfrei kuratiert. Gerade die Störungen zeigen, was sonst funktioniert. Die Ausnahmen zeigen die Regeln.

Presse

Detaillierte Informationen zu der Ausstellung stehen Ihnen im Pressebereich auf dieser Seite zur Verfügung. Sollten Sie Fragen zu dieser Ausstellung haben, helfen wir Ihnen gerne weiter.
Telefon: +49.5361.281017

Presse

Zu dieser Ausstellung gibt es hier für Medienvertreter/innen die gesammelten Presseinformationen zum Download.
Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.
– Download (Dokument: DOC, 734kb)

Pressebilder zum Download: